Ein Wort zum Thema Autarkie

Solar und Windkraft auf einem CampingwagenViele denken über ein autarkes Leben in ihrem Tiny House nach, wobei es oftmals bei der Interpretation zu Missverständnissen kommen kann.

Einerseits möchten viele Menschen damit den Unterschied zu einem Wohnwagen oder Wohmobil definiert wissen, um auf Campingplätzen nicht auf Gemeinschaftsanlagen wie Toiletten, Duschen oder Waschcenters angewiesen zu sein oder ihr Kaffeewasser vor dem Frühstück aus dem nächsten öffentlichen Wasseranschluss beziehen zu müssen, weil sich der „Frischwasser“-Tank dafür selbstredend verbietet. Diese Form der Autarkie macht genau ein Rolling Tiny House aus, denn es ist ein richtiges Haus mit typischen Versorgungsanschlüssen, das trotzdem noch mobil ist.

Andere würden gerne unabhängig von kommerziellen Anbietern für Strom und Wasser ihr Leben in einem Tiny House verbringen. Dem stehen jedoch die baurechtlichen Regelungen in Deutschland sehr deutlich entgegen. Wer ein Tiny House als Wohngebäude zum Dauerwohnen nutzen will, wird um Baugenehmigung benötigen und die kann nur auf voll erschlossenen Grundstücken mit Anschlüssen für Strom, Wasser und Abwasser erteilt werden, die auch tatsächlich angeschlossen werden müssen. Baurechtlich sind Autarkie-Systeme also nur in Ergänzung zu den öffentlichen Anschlüssen möglich. Ein „legalisierbares“ Tiny House muss daher stets alle öffentlichen Anschlüsse ermöglichen, wie es bei unseren Rolling Tiny Houses der Fall ist.

Darüber hinaus gilt für Autarkiesysteme (auch wenn’s ein wenig hart klingen könnte):

  • Je kleiner die Anlagen, desto relativ teurer, ineffizienter und unökologischer sind sie.
  • Die Dachflächen eines Tiny House sind im Allgemeinen äußerst begrenzt. Wenn überhaupt sollten Autarkiesysteme nicht auf das Minidach sondern möglichst neben dem Tiny House aufgestellt werden. Ein Rolling Tiny House hat ohnehin eine maximal zulässige Höhe von 4,0 Metern, so dass fast nichts mehr obendrauf passt.
  • Photovoltaik-Kleinstanlagen bieten keine Autarkie ohne massive Einschränkung des Lebensstandards. Für eine stabile Energieversorgung wird zudem ein Speichersystem benötigt, das mehrere 100 kg wiegen kann. Für größere PV-Anlagen gilt zudem eine Anschlusspflicht an das öffentliche Netz, um überschüssigen Strom in das öffentliche Netz einspeisen zu können.
  • Hauswindkraftanlagen (kurz: HWKA) bieten aufgrund der unzuverlässigen Windverhältnisse keine stabile Energieversorgung. Es werden auch dafür stets schwere Speichersysteme benötigt. Zudem verbieten sich HWKAs auf Baugrundstücken zumeist allein aufgrund von Geräuschentwicklung, Schlagschatten und Abstandsregelungen zu den Nachbarn.
  • Grundwasser darf in Deutschland nicht ohne behördliche Genehmigung als Trinkwasser genutzt werden. Besonders gefährlich kann es werden, wenn eigene Bohrungen vorgenommen werden, bei denen ganze Trinkwasserreservoirs kontaminiert werden können. Gleiches gilt für Wasser aus Flüssen und Seen.
  • Regenwasser ist grundsätzlich für die Verwendung als Trinkwasser verboten.
  • Holzkamine verbieten sich in der Regel schon aufgrund der hohen Feinstaub-Emissionen. Für eine offizielle Betriebserlaubnis (logische Folge einer Baugenehmigung) wären teure Filtersysteme erforderlich. Auf Campingplätzen sind Holzkamine grundsätzlich verboten.
  • Trenn- oder Komposttoiletten für das Abwasser erfüllen bestehende Umweltschutzgesetze nicht. Entweder herrscht grundsätzlich eine Anschlusspflicht an die öffenltiche Abwasserversorgung oder der Grundstücksbesitzer muss eine vollwertige Abwasserlösung z.B. mit einer Hauskläranlage sicherstellen, die durch die untere Wasserbehörde abgenommen und zugelassen wird, damit sichergestellt ist, dass keine Verunreinigungen in die Umwelt gelangen können.

Unsere Erkentnis lautet daher: Minianlagen mögen sicherlich bei Wohnwagen einen gewissen Sinn ergeben, wenn auf Reisen ein wenig Strom für Notebook oder iPhone benötigt wird. Als alleinige Versorgungssysteme zum Dauerwohnen sind sie nach deutschem Recht grundsätzlich nicht geeignet.

Unsere Empfehlungen lauten daher:

  • Nutzen Sie einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz und schließen Sie einen Versorgungsvertrag mit einem ökologisch ausgerichteten Stromanbieter (z.B. schwedische Wasserkraft). Die können es besser und günstiger und Sie haben trotzdem etwas für die Umwelt getan.
  • Sammeln Sie Regenwasser und speisen Sie damit Ihre Toilette und die Waschmaschine. Wir bieten eine optionale Vorrüstung, um eine handelsübliche Regenwasseranlage direkt an die innenliegende Regenrinne vom Rolling Tiny House anschließen zu können.
  • Nutzen Sie Solarthermiesysteme um Heißwasser zu produzieren. Wir bieten eine optionale Vorrüstung, um eine handesübliche Solarthermieanlage anschließen zu können.
  • Sofern auf Ihrem Rolling Tiny House AbwasserlösungenGrundstück kein Abwasser-Anschlusszwang an das öffentliche Netz bestehen sollte, errichten Sie eine Pflanzenkläranlage (PKA) in Kombination mit einer Trenntoilette. Damit nutzen Sie vergleichbar zur Mülltrennung eine intelligente Form der Abwassertrennung und reduzieren das letztendlich zu entsorgende Abwasser problemlos um über 95 %.
  • Wenn Sie eine PKA einsetzen, können Sie das gereinigte Abwasser ebenfalls für Toilette und Waschmaschine wiederverwenden. Verbinden Sie es mit der Regenwasseranlage, weil Regenwasser allein vom kleinen Tiny-House-Dach oft nicht ausreichen wird.
  • Setzen Sie grundsätzlich einen Luft-Wärmetauscher (siehe Sonderausstattungen) ein, um Ihr Tiny House permanent zu lüften und gleichzeitig einen Großteil der Abwärme zurückgewinnen zu können. Das spart Heizenergie und -kosten.
  • Als Heizsystem nutzen Sie den elektronisch gesteuerten Pelletofen „Tiny Heating“. Der verfügt über einen Außenluftanschluss und einen für Tage ausreichenden Pellet-Tank, lässt sich temperaturgenau steuern, vermeidet hohe Feinstaub-Emissionen einfacher Holzkamine und heizt trotzdem CO2-neutral.
  • Wenn Sie Ihren Energieverbrauch nachhaltig senken möchten, bestellen Sie Ihr Rolling Tiny House mit Umwelt-Zertifizierung gemäß EnEV2016 und Sie nutzen die derzeit technisch besten Möglichkeiten nachhaltig im Tiny House zu leben.

Wenn Sie sich für ein Tiny House Dorf entscheiden sollten, dann regen Sie bitte die Diskussion über eine gemeinschaftliche Photovoltaikanlage oder sogar eine Hauswindkraftanlage mit zentralen Speichersystemen an. Ab einer gewissen Größe werden dann auch Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerke mit einer Verteilung über eine Nahwärmeversorgung spannend. Dann beginnt es langsam aber sicher wieder Sinn zu machen, über eine energetische Autarkie nachzudenken, die okölogisch, nachhaltig und obendrein ökonomisch ist. 🙂